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#SEA – Motivation im Wintertraining – Bottle Top Reward System

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Bottle Top Reward System
Das Wintertraining im Kanusport kann eintönig sein, gerade wenn die Trainingsmöglichkeiten eingeschränkt sind und wir aus Sicherheitsgründen nicht zum Paddeln auf das Wasser gehen können. Aus meiner Beobachtung und meinem damaligen Verständnis der kulturellen Besonderheiten habe ich mir deshalb Mitte Oktober letzten Jahres das „Bottle Top Reward System - ボトル・トップ・リワード・システム” überlegt. Nachdem ich über die letzten Monate positive Erfahrungen sammeln konnte, möchte ich euch das System und die Auswertung vorstellen.

Inhaltsverzeichnis

Aus Sicherheitsgründen trainieren wir im Winter nicht mit den Rennbooten auf dem Wasser. Außerdem ist der Weg für die Schüler bei Schnee und starkem Wind beschwerlich. Mit dem Fahrrad bzw. teilweise gezwungenermaßen zu Fuß konnte ich das an einzelnen Tagen selbst spüren.

Wie entstand das Bottle Top Reward System?

In Japan gibt es eine äußert hohe Dichte an Getränkeautomaten und einige meiner Schüler benutzen diese auch, um sich mit einer Erfrischung zu versorgen. Und das war der Ursprung meiner Idee, warum nicht die Flaschendeckel (bottle top) als „Zähler“ für besondere Leistungen während jeder Trainingseinheit nutzen.

Somit bat ich meine Schüler mit dem Sammeln von Flaschendeckeln zu beginnen und diese ausgewaschen zu einem der nächsten Trainings mitzubringen. In einer gemeinsamen Kiste haben wir diese dann gesammelt.

Wie funktioniert das Bottle Top Reward System?

Während der fünf Monate in denen wir nicht oder nur eingeschränkt auf das Wasser können, d.h. November bis März, startet jeder Schüler zu Beginn eines Monats mit dem Sammeln von Flaschendeckeln und bewahrt diese in der eigenen Tüte an einem Ort im Trainingsraum auf.

Wann erhalte ich einen Flaschendeckel?

In jedem Training können Flaschendeckel aus verschiedenen Gründen für eine gute Leistung verdient werden. Zum Beispiel:

  • saubere Ausführung einer Übung,
  • Leistungsverbesserung im Vergleich zu einem der letzten Trainings,
  • einen guten Ratschlag an andere geben,
  • eine gute Idee, die den Spaß am Training steigert

 

Nach der Abschlussrunde am Ende jeden Trainings können sich die Schüler gegenseitig die Anzahl an Flaschendeckeln übergeben, welche sie für angemessen halten und damit ihre gegenseitige Wertschätzung zeigen.

Eine kleine Anerkennung

Am Ende jeden Monats wird die Anzahl der Flaschendeckel eines jeden Schülers bestimmt. Die Schüler mit der höchsten Anzahl an Flaschendeckeln in einem Monat erhalten eine kleine Belohnung.

Die Anzahl der Preise kann nach Belieben sowie der Schüleranzahl angepasst werden. Dabei darf ausgehend von der Person mit den meisten gesammelten Flaschendeckeln absteigend ein Preis ausgesucht werden. Nach jedem Monat werden alle Flaschendeckel in die gemeinsame Kiste zurückgegeben und die Schüler beginnen wieder von vorne.

Zudem habe ich mich dazu entschieden die Gesamtzahl nach der Wintersaison (Ende März) ebenso zu ermitteln und diesmal jeden Einzelnen mit einem Preis auszuzeichnen.

Was ist das Ziel vom Bottle Top Reward System?

Mein Ziel ist es die Schüler auf diese Weise zu motivieren, in jeder Trainingseinheit ihr Bestes zu geben und ihre Kreativität herauszufordern, sich Etappenziele zu setzen und ihre eigenen kleinen Herausforderungen auf dem Weg zum Erreichen ihres persönlichen Ziels in der nächsten Saison zu schaffen. Als Seiteneffekt soll der Zusammenhalt im Team gestärkt werden.

Feedback der Schüler und die Auswertung nach der Wintersaison

Nach der Beobachtung der anderen Trainer und meiner eigenen, ist den Schülern des High School Kanu Bukatsu anzusehen, dass ihnen die gegenseitige Belohnung Spaß bereitet. Dies wollte ich aber genauer wissen und habe dafür einen Fragebogen erstellt.

Meine Erfahrungen in Japan zeigen, dass für möglichst nützliches Feedback der entsprechende Rahmen geschaffen werden muss. Einfach nur in die Runde zu fragen würde vielleicht ein oder zwei nützliche Punkte bringen. Zumindest in der Region Tohoku ist mir und anderen ALTs aufgefallen, dass zum einen die Englischkenntnisse (insbesondere im ländlichen Raum) gering sind und zum anderen je nach Altersgruppe die Schüler in unterschiedlichem Maße zurückhaltend sind. Bei „gezwungenem“ Feedback (nacheinander sagt jeder seine Meinung) kommt es vor, dass die Aussage der ersten Person auf ähnliche Weise wiederholt wird. Deshalb habe ich mich für die anonyme und schriftliche Variante entschieden.

Aber auch hierbei habe ich bei der Formulierung und Auswahl der Fragen darauf geachtet, dass ich mehrmals auf ähnliche Weise nach der gleichen Antwort frage, um entgegenzuwirken, dass eine Antwort zu positiv gewählt bzw. mehrfach von verschiedenen Gesichtspunkten bestätigt wird. Außerdem gibt es kein klares „Nein“, sondern eine schwache negative Variante sowie die Möglichkeit sich bei der Antwort zu enthalten.

Inhalt der Umfrage zum Bottle Top Reward System

Folgende Fragen habe ich gestellt:

  1. Wie hat dir das „Bottle Top Reward System“ gefallen?
  2. Würdest du es wieder verwenden wollen? (ja im Winter, ja ganzjährig, ich brauche es nicht unbedingt)
  3. Wie zufrieden bist du mit den Belohnungen?
  4. Wenn du mit den Belohnungen nicht 100%ig zufrieden bist, was würdest du alternativ vorschlagen (bitte beachte, dass diese nicht zu teuer sind)
  5. Die Zielsetzung war (siehe oben). Inwieweit denkst du, dass das „Bottle Top Reward System“ dir geholfen hat?
  6. Gibt es etwas, das geändert oder verbessert werden könnte?

 

Den ursprünglichen Fragebogen (Englisch / Japanisch) habe ich hier verlinkt.

Die Ergebnisse der Umfrage zum Bottle Top Reward System

Nachfolgend findest du die Ergebnisse der Umfrage. Von den 15 Teilnehmenden waren am Tag der Umfrage 14 Personen anwesend und haben diese ausgefüllt.

Die Antworten zeigen (numeriert entsprechend der Fragen):

  1. 79 % der Personen halten das System für „gut“. Zwei Personen sagen, es sei „okay“. Eine Person möchte nicht antworten.
  2. Die Mehrheit der Personen (64%) würde das System gerne im Winter wieder einsetzen. Darunter sind zwei Personen, die daran interessiert sind, dass es das ganze Jahr über durchgeführt wird. Ein Drittel (36%) findet es in Ordnung, wenn es kein solches System gibt.
  3. Die Hälfte der Personen (50 %) hält die Belohnungen für „sehr gut“ oder „gut“. Von der anderen Hälfte antworten zwei Personen mit „in Ordnung“, eine Person mit „könnte besser sein“ und vier Personen wählen „keine Antwort“. Von denjenigen, die keine Antwort gaben, haben zwei Personen sowohl bei Frage 4 als auch bei Frage 6 positive Rückmeldungen gegeben.
  4. Etwa ein Drittel (36%) der Personen füllt das Freitextfeld zum Thema „Belohnung“ aus. Drei Personen sind der Meinung, dass es genauso sein sollte. Eine Person wünscht sich etwas, das nichts mit dem Sporttraining zu tun hat, weder Essen noch Trinken. Eine Person antwortet Lebensmittel im Allgemeinen.
  5. Die Mehrheit der Personen (57%) ist der Meinung, dass das System ihnen „sehr gut“ oder „gut“ bei der Motivation geholfen hat, das Ziel (siehe oben) zu erreichen. Abgesehen von einer Person, die keine Antwort gab, wählten die übrigen fünf Personen „okay“.
  6. Die Hälfte der Personen (50%) füllen das Freitextfeld für allgemeine Kommentare aus. Sechs Personen antworten, dass nichts geändert werden muss oder das System in Ordnung ist. Eine Person antwortet, dass die Belohnungen geändert werden sollten.

 

Daraus lassen sich die folgenden Schlussfolgerungen ziehen (numeriert entsprechend der Fragen):

  1. Die Antworten sprechen für eine Wiederholung des Projekts. Es wäre gut, darüber nachzudenken, was verbessert werden kann, damit die Schüler „sehr gut“ angeben. Siehe Fragen Nummer 4 und 6.
  2. Die Antworten sprechen für eine Wiederholung in der Wintersaison.
  3. Die Mehrheit der Schüler ist mit den Belohnungen zufrieden, aber es scheint, als ob die Gesamtzufriedenheit durch andere Belohnungen verbessert werden könnte. Hierzu möchte ich meine persönliche Meinung anmerken. Für die Auswahl der monatlichen Belohnung waren die Lehrer verantwortlich. Belohnungen wie ein Terraband fand ich gut. Das der Chicken-Bar oder Krabbenfleisch-Bar als letztes wegging und zu beobachten, wie diese durch die jeweiligen Schüler genommen wurden, kann ich gut nachvollziehen. Die Beobachtung von Gestik und Mimik lässt viel darauf schließen, welche Preise potenziell gut ankommen.
  4. Die Person, welche antwortet, dass die Belohnungen geändert werden sollten, schlägt vor, dass es keine mit dem Sporttraining zusammenhängenden Speisen oder Getränke geben sollte. Eine andere Person schlägt Essen im Allgemeinen vor. Dies sind zu wenige Rückmeldungen, um eine Schlussfolgerung zu ziehen. Es ist wichtig, die Schüler erneut zu fragen bzw. Schlüsse aus der Beobachtung zu ziehen, welche Art von Belohnung diese schätzen würden, wenn sie nicht zu teuer ist. Als allgemeine Belohnung würde ich eine Teamaktivität am Ende des Winters vorschlagen, zum Beispiel Bowling, Bouldern oder Karaoke.
  5. Fast alle Schüler fühlen sich durch das System motiviert, die meisten in einem „guten“ oder „sehr guten“ Ausmaß. Dies spricht dafür, es erneut durchzuführen.
  6. Die Antworten sprechen für eine Wiederholung.

 

Zusammenfassende Schlussfolgerung und Empfehlung

Die Schüler sind mit dem „Bottle Top Reward System“ zufrieden und ich empfehle, es in der Wintersaison erneut durchzuführen. Um es zu verbessern, würden einige Schüler gerne andere Belohnungen haben. Dazu würde ich die Schüler und Eltern nach ihren Ideen fragen. Außerdem könnte es eine Möglichkeit sein, die Eltern, die Schule oder den Elternverein der Schule um finanzielle Unterstützung zu bitten, um sich bessere bzw. jeweils für mehr Schüler eine Belohnungen leisten zu können und am Ende des Winters eine Aktivität für das gesamte Team zu veranstalten, z.B. Bowling, Bouldern oder Karaoke.

Könnte das auch in Deutschland funktionieren?

Die Idee der gegenseitigen Wertschätzung, sich kleine Etappenziele zu setzen und Motivation während der Wintersaison kann ich mir auch in Deutschland für das Teambuilding gut vorstellen. In Japan fallen mir ein paar Unterschiede zu Deutschland auf. Hier ist beispielsweise die Senpai-Kohsai Kultur (Ältere bzw. Erfahrenere helfen den Jüngeren bzw. Neulingen) zu benennen. In der Form wie ich es im Bukatsu mitbekomme, schätze ich es sehr, denn es unterstützt die Trainerarbeit. Der verpflichtende und zeitbindende Bukatsu (weitere Details) bestimmt die Freizeit der Schüler und entsprechend bilden sich Freundschaften innerhalb des Teams. In Deutschland können leichter mehrere Freizeitbeschäftigungen ausgeübt werden. Im Leistungssport gestaltet sich die Situation in Deutschland ähnlich wie in Japan.

Durch die beiden genannten Gründe und auch die im interkulturellen Kontext als kollektivistisch bezeichnete Kultur, ist der Zusammenhalt und Vertrauen im Team bereits gestärkt und dies sehe ich auch als einen Grund für das Gelingen des „Bottle Top Reward Systems“.

Darüberhinaus denke ich, dass es zum weiteren Teambuilding beigetragen hat, da der überwiegende Teil der Schüler zum Start des Systems erst seit 7 bis 8 Monaten im High School Team war. Das Schuljahr startet Anfang April und ab Mai haben alle Schüler ihren Bukatsu festgelegt.

Was denkst du: könnte das auch in Deutschland funktionieren? Was müsste angepasst werden? Lass mich deine Meinung dazu gerne in den Kommentaren wissen. Bei weiteren Fragen oder Anmerkungen kontaktiere mich ebenso gerne direkt.

Weitere Updates zum Ende des Schuljahres

Nach ein paar weiteren Skilanglauf-Trainingseinheiten habe ich Mitte März mit der Kanuschule für Grundschüler die Saison abgeschlossen. Teilweise hatten wir ordentlich Schnee, wie die Bilder zeigen. Für die Kanuschule hatten wir leider nur Schnee in der Luft, sodass ich mich auf die Theorie fokussierte u.a. zu Wintersport, Olympischen Spielen mit dem Input aus dem Museum in Sapporo und selbstverständlich Skilanglauf und wir draußen grundlegende Übungen auf Skiern machten, welche auch auf Gras möglich sind.

Das Schuljahr endet bzw. beginnt ein halbes Jahr versetzt im Vergleich zu Deutschland. Demnach finden Ende März verschiedene Feiern statt. Davon gibt es mehrere pro Schule und es können für ALTs oder SEAs, welche an mehreren Schulen gleichzeitig sind, damit mehrere Besuche zu Stande kommen. Ich habe mich gefreut zwei verschiedene zeitlich einrichten und damit den Schülern meine Wertschätzung zeigen zu können. Dazu berichte ich im separaten Artikel.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie zu meinen Aufgaben als SEA, welche im Titel durch #SEA gekennzeichnet wird. Über die Suche „#SEA“ findest du weitere Artikel.

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